Microsoft hat im Mai 2026 ein neues Hotfix Update für Exchange Server Subscription Edition, kurz Exchange Server SE, veröffentlicht. Konkret handelt es sich um Exchange Server SE RTM HU6, veröffentlicht am 7. Mai 2026.
Laut Microsoft enthält das Update keine neuen Exchange-Sicherheitsupdates, sondern Korrekturen für nicht sicherheitsrelevante Probleme und neue Funktionalität. Auf den ersten Blick klingt das nach einem normalen Zwischenupdate. In der Praxis ist es aber besonders für Unternehmen mit hybriden Exchange-Umgebungen relevant.
Der wichtigste Punkt: Das Mai-2026-Hotfix-Update schafft die Grundlage dafür, bestimmte Exchange Hybrid Rich Coexistence-Funktionen schrittweise von Exchange Web Services, kurz EWS, auf REST-basierte Microsoft Graph API-Aufrufe umzustellen.
Kurz gesagt: Das Update ist kein klassisches Sicherheitsupdate. Aber für Hybrid-Kunden ist es trotzdem wichtig.
Und diesmal geht es nicht nur um „irgendwann modernisieren“. Microsoft hat konkrete Fristen gesetzt.
Worum geht es?
Viele Unternehmen betreiben Exchange heute hybrid. Ein Teil der Umgebung liegt lokal auf Exchange Server, während Postfächer oder Dienste bereits in Exchange Online beziehungsweise Microsoft 365 genutzt werden.
Damit diese Welten sauber zusammenarbeiten, braucht es Hybrid-Funktionen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Frei/Gebucht-Informationen zwischen On-Premises und Exchange Online
- MailTips
- Profilbild-Freigabe
- Kalender- und Verfügbarkeitsfunktionen
- Koexistenzfunktionen während Migrationen
- bestimmte Verwaltungs- und Vermittlungsfunktionen zwischen lokaler Organisation und Cloud
Diese Funktionen wirken für Benutzer selbstverständlich. Im Hintergrund hängen sie aber an Authentifizierung, Berechtigungen, Zertifikaten, APIs, Service Principals und Hybrid-Konfigurationen.
Genau dort setzt Microsoft aktuell an.
Warum Microsoft die Hybrid-Architektur verändert
Microsoft modernisiert die Exchange-Hybrid-Architektur. Ein zentraler Grund ist die stärkere Absicherung hybrider Umgebungen und die Ablösung älterer Mechanismen.
Bisher wurden viele Hybrid-Rich-Coexistence-Funktionen über EWS abgewickelt. Microsoft stellt diese Funktionen nun schrittweise auf Microsoft Graph um. Ziel ist eine modernere, granularere und besser kontrollierbare Kommunikation zwischen Exchange Online und lokalen Exchange-Umgebungen.
Das Ziel ist nachvollziehbar:
- weniger Abhängigkeit von alten Schnittstellen
- modernere Authentifizierung
- klarere Berechtigungen
- bessere Steuerbarkeit
- weniger pauschales Vertrauen zwischen Cloud und On-Premises
- bessere Zukunftsfähigkeit hybrider Exchange-Umgebungen
Für Administratoren bedeutet das aber auch: Hybrid-Umgebungen müssen aktiv gepflegt werden.
Ein „läuft doch seit Jahren“ ist bei Exchange Hybrid keine gute Betriebsstrategie mehr.
Die Microsoft-Timeline: Zwei Stufen
Microsoft hat die Änderung in zwei Stufen geplant.
Stufe 1: Dedizierte Exchange Hybrid Application
Die erste Stufe war die Umstellung auf eine dedizierte Exchange Hybrid Application.
Diese Phase wurde laut Microsoft im Oktober 2025 abgeschlossen. Exchange-Hybrid-Kunden, die weiterhin lokale Postfächer hosten, müssen diese dedizierte Hybrid-App erstellen, damit Rich-Coexistence-Funktionen für lokale Benutzer erhalten bleiben.
Das war bereits ein klares Signal: Microsoft löst alte Hybrid-Vertrauensmodelle schrittweise ab.
Stufe 2: EWS wird abgelöst, Microsoft Graph übernimmt
Die zweite Stufe läuft jetzt.
Microsoft stellt Hybrid-Rich-Coexistence von EWS-Aufrufen auf REST-basierte Microsoft Graph API-Aufrufe um. Genau dafür ist das Mai-2026-Hotfix-Update relevant.
Kunden, die Graph API in hybriden Workflows nutzen wollen, müssen:
- das Mai-2026-Hotfix Update oder ein neueres Update auf den lokalen Exchange-SE-Servern installieren,
- danach den Graph API Hybrid Workflow gemäß Microsoft-Dokumentation aktivieren.
Wichtig: Wenn das entsprechende Microsoft-Skript bereits früher ausgeführt wurde, muss es nach Installation des neuen Updates erneut ausgeführt werden, damit die neue Funktionalität aktiviert wird.
Nur patchen reicht also nicht aus. Die Umgebung muss anschließend auch korrekt aktiviert und getestet werden.
Die entscheidenden Fristen: Oktober 2026 und April 2027
Der eigentliche Handlungsdruck entsteht durch die EWS-Abkündigung in Exchange Online.
Microsoft wird EWS in Exchange Online im Oktober 2026 standardmäßig deaktivieren. Danach kann EWS noch vorübergehend wieder aktiviert werden.
Im April 2027 wird EWS in Exchange Online endgültig abgeschaltet.
Für hybride Exchange-Umgebungen heißt das sehr konkret:
Bis Oktober 2026 sollte die Umstellung abgeschlossen sein.
Und:
Bis April 2027 muss die Umstellung abgeschlossen sein.
Nach April 2027 gibt es für EWS in Exchange Online keinen Rückweg mehr.
Wer dann noch auf EWS-basierte Hybrid-Rich-Coexistence angewiesen ist, wird Probleme bekommen.
Hotfix Update heißt nicht automatisch Sicherheitsupdate
Wichtig für die interne Kommunikation: Das Mai-2026-Hotfix-Update ist kein klassisches Patch-Tuesday-Sicherheitsupdate.
Microsoft beschreibt das HU6 für Exchange Server SE RTM als Hotfix mit Korrekturen für nicht sicherheitsrelevante Probleme und neuer Funktionalität. Gleichzeitig enthält das Mai-2026-Hotfix-Update laut Exchange Team Blog keine neuen Exchange Server Security Updates.
Trotzdem sollte man das Update nicht ignorieren. Gerade in hybriden Umgebungen schafft es funktionale Voraussetzungen für kommende Änderungen.
Man muss also unterscheiden:
Security Update: behebt konkrete Sicherheitslücken.
Hotfix Update: behebt Fehler oder bringt neue Funktionalität außerhalb eines CUs.
Cumulative Update: größerer Aktualisierungsstand mit gebündelten Änderungen.
Das Mai-2026-Hotfix-Update ist vor allem deshalb relevant, weil es Exchange Server SE auf die Modernisierung der Hybrid-Funktionalität vorbereitet.
Betrifft das alle Exchange-Umgebungen?
Nicht in gleicher Weise.
Besonders relevant ist das Update für Unternehmen mit:
- Exchange Server Subscription Edition
- hybrider Exchange-Bereitstellung
- Exchange Online in Microsoft 365
- lokalen Postfächern
- Rich-Coexistence-Funktionen zwischen On-Premises und Cloud
- lokalen Exchange-Servern für Empfängerverwaltung
- laufenden oder geplanten Migrationen zu Exchange Online
Für reine On-Premises-Umgebungen ohne Hybrid-Funktionalität ist das Update weniger kritisch. Exchange Server SE sollte natürlich trotzdem aktuell gehalten werden.
Für reine Exchange-Online-Umgebungen ohne lokale Exchange-Koexistenz ist der Hybrid-Teil weniger relevant. Trotzdem sollten auch diese Umgebungen prüfen, ob Drittanwendungen noch EWS verwenden.
Was kann passieren, wenn man nicht handelt?
Kurzfristig passiert möglicherweise nichts Sichtbares. Genau das ist gefährlich.
Die Umgebung läuft weiter. Benutzer arbeiten. Kalenderinformationen funktionieren. Migrationen laufen vielleicht noch. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass kein akuter Handlungsbedarf besteht.
Das Problem entsteht zeitversetzt.
Wenn EWS in Exchange Online standardmäßig deaktiviert oder später endgültig abgeschaltet wird, können wichtige Funktionen ausfallen.
Mögliche Folgen:
- Frei/Gebucht-Abfragen zwischen On-Premises und Exchange Online funktionieren nicht mehr zuverlässig.
- MailTips zwischen On-Premises und Exchange Online brechen.
- Profilbilder werden nicht mehr korrekt bereitgestellt.
- Hybridfunktionen werden instabil.
- Migrationen oder Verwaltungsaufgaben schlagen fehl.
- Troubleshooting wird unnötig komplex.
- alte EWS-Abhängigkeiten bleiben bestehen.
- Drittanbieter-Anwendungen mit EWS-Abhängigkeit funktionieren nicht mehr.
- Hybrid-Konfigurationen bleiben technisch überaltert.
Gerade historisch gewachsene Hybrid-Umgebungen sind hier anfällig. Viele wurden vor Jahren eingerichtet, mehrfach aktualisiert, teilweise migriert und nie vollständig bereinigt.
Was Administratoren vor der Installation prüfen sollten
Exchange-Updates sollte man nie blind installieren. Das gilt auch für dieses Hotfix Update.
Vorher sollten mindestens folgende Punkte geprüft werden.
1. Exchange-Version und Buildstand
Welche Exchange-Version läuft aktuell? Ist es wirklich Exchange Server SE? Welche Hotfixes oder Security Updates sind bereits installiert?
Das ist besonders wichtig, weil Exchange 2016 und Exchange 2019 keine Graph API Hybrid Calls erhalten.
2. Hybrid-Konfiguration
Wird Exchange hybrid betrieben? Gibt es Exchange Online? Wird der lokale Exchange noch für Empfängerverwaltung, Relay, Migration oder Koexistenzfunktionen genutzt?
3. Lokale Postfächer
Gibt es noch lokale Postfächer? Wenn ja, sind Rich-Coexistence-Funktionen wie Frei/Gebucht, MailTips oder Profilbild-Freigabe relevant?
4. Dedizierte Exchange Hybrid Application
Ist die dedizierte Exchange Hybrid Application bereits eingerichtet? Wurde sie sauber dokumentiert? Sind Berechtigungen nachvollziehbar?
5. Graph API Hybrid Workflow
Ist das Mai-2026-Hotfix Update oder ein neueres Update installiert? Wurde der Graph API Hybrid Workflow danach aktiviert?
Wurde ein früher ausgeführtes Microsoft-Skript nach dem Update erneut ausgeführt?
6. EWS-Abhängigkeiten
Welche Anwendungen, Archivsysteme, Migrationstools, Kalenderintegrationen oder Eigenentwicklungen verwenden noch EWS?
Greifen diese Anwendungen auf Exchange Online zu?
7. Zertifikate
Sind die Exchange-Zertifikate gültig? Stimmen Namen, Laufzeiten und Bindings? Gibt es alte oder nicht mehr benötigte Zertifikate?
8. Backup und Wiederherstellung
Gibt es aktuelle Exchange-Backups? Sind System State, Datenbanken, Konfiguration und virtuelle Maschinen sauber gesichert?
9. Wartungsfenster
Auch ein Hotfix Update braucht Planung. Dienste werden neu gestartet, und in DAG-Umgebungen müssen Server geordnet nacheinander aktualisiert werden.
Empfohlenes Vorgehen
Für produktive Umgebungen empfiehlt sich ein konservatives, sauberes Vorgehen.
1. Inventarisieren
Zuerst sollte klar sein, welche Server betroffen sind:
- Exchange-Version
- installierte Updates
- Serverrollen
- DAG-Mitgliedschaften
- Zertifikate
- verwendete Namespaces
- Connectoren
- Hybrid-Konfiguration
- lokale Postfächer
- Drittanbieter-Integrationen wie Backup, Archivierung, Signaturen, Gateways oder Monitoring
- bekannte EWS-Abhängigkeiten
Ohne diese Übersicht wird jedes Exchange-Update unnötig riskant.
2. Exchange 2016 und 2019 ablösen
Wenn noch Exchange 2016 oder Exchange 2019 im Einsatz ist, sollte das Thema priorisiert werden.
Diese Versionen sind keine Zukunftsplattform für Exchange Hybrid Rich Coexistence. Microsoft stellt für Exchange 2016 und 2019 keine Updates bereit, um Graph API Hybrid Calls zu unterstützen. Auch ESU-Updates enthalten diese Funktionalität nicht.
Kunden haben faktisch zwei Wege:
- Migration zu Exchange Server SE
- vollständige Migration der lokalen Postfächer nach Exchange Online
Ein „wir bleiben einfach auf Exchange 2019 mit ESU“ ist keine tragfähige Strategie für Hybrid Rich Coexistence.
3. Microsoft-Dokumentation und Known Issues prüfen
Vor der Installation sollten Administratoren den Exchange Team Blog, den KB-Artikel und mögliche Known Issues prüfen. Das Mai-2026-HU ist über Windows Update und als eigenständiges Paket verfügbar.
Wichtig sind vor allem:
- Voraussetzungen
- bekannte Probleme
- Buildnummern
- Hybrid-Hinweise
- Hinweise zum Hybrid Configuration Wizard
- Hinweise zum Graph API Hybrid Workflow
- mögliche manuelle Nacharbeiten
4. Testumgebung oder Pilotserver nutzen
Wenn eine Testumgebung existiert, sollte das Update zuerst dort installiert werden.
Wenn keine Testumgebung vorhanden ist, sollte mindestens ein Pilotserver definiert werden. In DAG-Umgebungen kann man kontrolliert Server für Server aktualisieren.
5. Wartungsmodus verwenden
Exchange-Server sollten nicht einfach im laufenden Betrieb gepatcht werden. Vor allem in DAG-Umgebungen gehört ein Server sauber in den Wartungsmodus.
Dazu gehören typischerweise:
- Server aus Load-Balancer-Rotation nehmen
- aktive Datenbanken verschieben
- Transport-Komponenten drainen
- Update installieren
- Neustart durchführen
- Health prüfen
- Server wieder produktiv schalten
6. Graph API Hybrid Workflow aktivieren
Nach der Installation des Mai-2026-Hotfixes oder eines neueren Updates muss der Graph API Hybrid Workflow gemäß Microsoft-Dokumentation aktiviert werden.
Wichtig: Wenn das Microsoft-Skript bereits früher ausgeführt wurde, muss es nach Installation des neuen Updates erneut ausgeführt werden, um die neue Funktionalität zu aktivieren.
7. Hybrid-Funktionen gezielt testen
Nach dem Update reicht es nicht, nur zu prüfen, ob die Dienste laufen.
Wichtige Tests sind:
- Outlook
- OWA
- Mailflow intern und extern
- Autodiscover
- Frei/Gebucht Cloud zu On-Premises
- Frei/Gebucht On-Premises zu Cloud
- MailTips
- Profilbild-Freigabe
- Hybrid-Mailflow
- Migration Batches, falls aktiv
- Exchange Admin Center
- Exchange Management Shell
- Event Logs
- Exchange Health Checker
Gerade Hybrid-Funktionen sollten bewusst getestet werden, weil Probleme häufig erst auffallen, wenn Benutzer Kalenderinformationen benötigen oder Migrationen laufen.
Was ist mit Exchange 2016 und Exchange 2019?
Hier muss man deutlich sein: Exchange Server 2016 und Exchange Server 2019 sind seit dem 14. Oktober 2025 regulär aus dem Support.
Gleichzeitig gibt es für bestimmte Kunden ein kostenpflichtiges Extended Security Update Program, kurz ESU. Das ist aber keine Entwarnung.
ESU bedeutet nicht, dass Exchange 2016 oder Exchange 2019 wieder normale, vollständig unterstützte Plattformen sind. ESU ist eine Übergangslösung für ausgewählte Sicherheitsupdates. Es ist keine langfristige Betriebsstrategie.
Noch wichtiger: Microsoft stellt für Exchange 2016 und 2019 keine Updates bereit, um Graph API Hybrid Calls zu unterstützen. Selbst Updates im Rahmen von Exchange 2016/2019 ESU enthalten diese Funktionalität nicht.
Das bedeutet:
- Exchange 2016 und 2019 nicht als Zielplattform weiterbetreiben.
- ESU nur als erkaufte Übergangszeit verstehen.
- Migration zu Exchange Server SE oder Exchange Online priorisieren.
- Hybrid-Umgebungen nicht dauerhaft auf veralteter Basis betreiben.
- Kunden mit lokalen Postfächern müssen spätestens bis April 2027 migrieren.
- Risiken gegenüber Management und Kunden klar kommunizieren.
Kurz gesagt: ESU ist nicht „Support wie früher“. ESU ist Restzeit.
Typische Fehler beim Exchange-Patching und bei der Hybrid-Modernisierung
In vielen Umgebungen wiederholen sich dieselben Fehler:
- Updates werden zu lange verschoben.
- Das Hotfix wird ignoriert, weil es kein Sicherheitsupdate ist.
- Es gibt keine aktuelle Buildübersicht.
- Hybrid-Funktionen werden nach Updates nicht getestet.
- alte Zertifikate und Service Principals bleiben bestehen.
- Drittanbieter-Software wird vorher nicht geprüft.
- DAG-Server werden nicht sauber in Wartung genommen.
- Health Checker wird nicht genutzt.
- Es gibt kein dokumentiertes Rollback-Szenario.
- Exchange 2016/2019 werden trotz Supportende weiter als Normalbetrieb behandelt.
- ESU wird fälschlich als vollständiger Support verstanden.
- Das Aktivierungsskript wird nach dem neuen Update nicht erneut ausgeführt.
- EWS-Abhängigkeiten von Drittanwendungen bleiben unentdeckt.
- Oktober 2026 wird unterschätzt.
- April 2027 wird als fernes Datum betrachtet, obwohl dann endgültig Schluss ist.
Bei Exchange ist das gefährlich. Exchange hängt tief in Active Directory, DNS, Zertifikaten, Load Balancing, Mailflow, Security, Compliance und Microsoft 365.
Meine Empfehlung für Kundenumgebungen
Ich würde Umgebungen in vier Gruppen einteilen.
Gruppe 1: Exchange 2016/2019 mit Hybrid und lokalen Postfächern
Diese Umgebungen haben den größten Handlungsdruck.
Die Plattform ist nicht mehr regulär unterstützt, erhält keine Graph-Hybrid-Funktionalität und wird spätestens mit der endgültigen EWS-Abschaltung im April 2027 Probleme bekommen.
Priorität: kritisch
Empfehlung: Sofort Migrationsplanung starten.
Gruppe 2: Exchange Server SE mit Hybrid und lokalen Postfächern
Diese Umgebungen sind auf dem richtigen Zielsystem, müssen aber aktualisiert und umgestellt werden.
Das Mai-2026-Hotfix oder ein neueres Update sollte installiert werden. Danach müssen Graph API Hybrid Workflow, dedizierte Hybrid App, Berechtigungen und Rich-Coexistence-Funktionen geprüft werden.
Priorität: hoch
Empfehlung: Umsetzung vor Oktober 2026 abschließen.
Gruppe 3: Exchange Server SE ohne lokale Postfächer
Hier ist der Druck geringer. Trotzdem sollte geprüft werden, ob Exchange noch für Verwaltung, Relay, Hybridreste oder Anwendungen verwendet wird.
Priorität: mittel
Empfehlung: Abhängigkeiten dokumentieren und Umgebung bereinigen.
Gruppe 4: Reine Exchange-Online-Umgebungen
Diese sind vom Exchange-Hybrid-Rich-Coexistence-Thema weniger betroffen. Trotzdem kann EWS für Anwendungen relevant sein.
Priorität: abhängig von EWS-Nutzung
Empfehlung: EWS-Abhängigkeiten von Drittanwendungen prüfen.
Konkrete To-dos
Für Administratoren ergibt sich daraus ein klarer Maßnahmenplan:
- Exchange-Versionen und Buildstände erfassen.
- Prüfen, ob Exchange Server SE bereits im Einsatz ist.
- Lokale Postfächer identifizieren.
- Hybrid-Konfiguration und Rich-Coexistence-Funktionen dokumentieren.
- Dedizierte Exchange Hybrid Application prüfen.
- EWS-Abhängigkeiten identifizieren.
- Exchange 2016/2019-Migration priorisieren, falls noch vorhanden.
- Mai-2026-Hotfix oder neuer auf Exchange SE testen und installieren.
- Graph API Hybrid Workflow aktivieren.
- Microsoft-Skript nach Update erneut ausführen, falls es früher schon genutzt wurde.
- Frei/Gebucht, MailTips und Profilbild-Freigabe gezielt testen.
- Zertifikate, Connectoren und Service Principals prüfen.
- Wartungsfenster und Testplan erstellen.
- Zeitplan bis Oktober 2026 und April 2027 erstellen.
Fazit
Das Exchange Server Hotfix Update vom Mai 2026 ist kein klassisches Sicherheitsupdate. Trotzdem ist es für viele Unternehmen wichtig.
Der Grund liegt in der Exchange-Hybrid-Architektur. Microsoft bereitet Exchange Server SE darauf vor, bestimmte Hybridfunktionen von EWS auf REST-basierte Microsoft-Graph-Aufrufe umzustellen. Für Unternehmen mit Exchange Online und lokalem Exchange ist das ein klares Signal: Hybrid-Umgebungen müssen aktiv gepflegt und modernisiert werden.
Die Microsoft-Timeline ist eindeutig:
Oktober 2025: Stufe 1 abgeschlossen, dedizierte Exchange Hybrid Application erforderlich.
Mai 2026: Exchange Server SE erhält per Hotfix die Grundlage für Graph API Hybrid Workflows.
Oktober 2026: EWS wird in Exchange Online standardmäßig deaktiviert.
April 2027: EWS wird in Exchange Online endgültig abgeschaltet.
Gleichzeitig darf man Exchange 2016 und Exchange 2019 nicht mehr als normale Betriebsplattform betrachten. Beide Versionen sind regulär aus dem Support. ESU kann in bestimmten Fällen noch Sicherheitsupdates liefern, bringt aber keine Graph-Hybrid-Funktionalität.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht:
„Müssen wir dieses Hotfix Update sofort installieren?“
Die bessere Frage lautet:
„Ist unsere Exchange-Hybrid-Umgebung rechtzeitig vor Oktober 2026 auf Microsoft Graph vorbereitet – und spätestens bis April 2027 vollständig weg von EWS?“
