Wer in Entra ID mit Gästen arbeitet und gleichzeitig phishing-resistente MFA durchsetzen will, kennt die Sackgasse: Der Ressourcentenant fordert eine starke Methode, der Gast kann einen Passkey dort bisher aber nicht registrieren.
Microsoft schließt diese Lücke. Interessant ist dabei nicht nur die Funktion selbst, sondern auch der Zeitpunkt, denn die Einführung fällt in die Phase, in der Microsoft gleichzeitig seine eigene Bereitstellung von SMS- und Voice-Authentifizierung zurückfährt.
Der Status quo
In der aktuellen Dokumentation zu Passkeys steht unter den Known Issues weiterhin, dass die Registrierung von Passkey-Credentials für interne und externe Gastbenutzer nicht unterstützt wird, einschließlich B2B-Collaboration-Benutzern im Ressourcentenant. (Microsoft Learn)
Das ist keine Randnotiz, sondern der Kern des Problems. Der Ressourcentenant ist für die Durchsetzung seiner MFA-Anforderungen verantwortlich. Fordert eine Conditional-Access-Regel MFA für Gäste und vertraut der Ressourcentenant der MFA des Home Tenants nicht, muss ein B2B-Collaboration-Benutzer die MFA-Anforderung im Ressourcentenant erfüllen. Passkeys stehen ihm dort bisher nicht als registrierbare Methode zur Verfügung. (Microsoft Learn)
Der etablierte Weg, dies bei Microsoft-Entra-Partnerorganisationen zu vermeiden, sind die Cross-Tenant Access Settings. Aktiviert man im Ressourcentenant unter Inbound Trust die Option, der MFA des Partnertenants zu vertrauen, kann der MFA-Claim aus dem Home Tenant akzeptiert werden.
Das gilt auch im Zusammenspiel mit Authentication Strengths. Ist MFA-Trust aktiviert, prüft Entra, ob die im Home Tenant durchgeführte Authentifizierung die vom Ressourcentenant verlangte Authentication Strength erfüllt. Ist MFA-Trust deaktiviert, muss der externe Benutzer die Anforderung im Ressourcentenant mit einer dort unterstützten Methode erfüllen. (Microsoft Learn)
Dieser Weg funktioniert weiterhin und bleibt für viele Partnerschaften sinnvoll. Man sollte sich aber bewusst machen, was der Trust bedeutet: Der Ressourcentenant entscheidet zwar weiterhin über seine Zugriffsanforderungen, akzeptiert für die Erfüllung der MFA-Anforderung jedoch das Authentifizierungsergebnis des fremden Home Tenants. Die konkrete MFA-Konfiguration dort liegt außerhalb der eigenen administrativen Kontrolle.
Was Microsoft angekündigt hat
Microsoft nennt in der öffentlichen FAQ zur Abschaltung der von Microsoft bereitgestellten SMS- und Voice-Authentifizierung einen groben Rahmen: Passkey-Unterstützung für B2B-Benutzer und interne Gastbenutzer soll bis Ende des Kalenderjahres 2026 verfügbar sein. (Microsoft Learn)
Detaillierter wird es in der zugehörigen Meldung im Microsoft 365 Message Center. Da diese Ankündigungen mandantenspezifisch ausgespielt und regelmäßig aktualisiert werden, lohnt der Blick in das eigene Message Center. Suchen Sie dort nach Meldungen zu Passkeys und B2B-Benutzern, die Angaben unten stammen aus dieser Ankündigung:
- B2B-Benutzer sollen einen Passkey im Ressourcentenant registrieren und damit dessen MFA-Anforderungen erfüllen können.
- Die Registrierung soll über My Security Info des Ressourcentenants, über einen Proof-up-Prompt oder über eine Registration Campaign möglich sein.
- Für interne Gastbenutzer sind auch Passkeys in der Microsoft Authenticator App vorgesehen. Für externe Benutzer werden Microsoft-Authenticator-App-Passkeys zunächst nicht unterstützt.
- Die Funktion wird standardmäßig verfügbar. Entscheidend ist, ob der Benutzer über die Authentication Methods Policy für Passkeys im Scope liegt.
- Der übergeordnete GA-Rollout für Worldwide und GCC soll Anfang Oktober 2026 beginnen und nach aktueller Planung bis Ende Februar 2027 abgeschlossen werden.
- Für interne Gastbenutzer ist der Rollout von Anfang bis Ende Oktober 2026 vorgesehen.
- Für externe Benutzer soll der konkrete Rollout-Zeitplan noch in einem weiteren Message-Center-Update bekannt gegeben werden.
Gerade der letzte Punkt ist wichtig: Aus dem allgemeinen GA-Fenster sollte man nicht ableiten, dass alle externen B2B-Benutzer bereits im Oktober Passkeys im Ressourcentenant verwenden können.
Auch zwischen der öffentlichen FAQ und der detaillierteren Message-Center-Planung besteht derzeit eine gewisse Unschärfe: Die FAQ spricht von einer Verfügbarkeit bis Ende 2026, während das übergeordnete Rollout-Fenster der Message-Center-Meldung bis Ende Februar 2027 reicht. Für die konkrete Planung ist deshalb die Meldung im eigenen Message Center die maßgebliche Quelle.
Worldwide und GCC bedeutet außerdem nicht automatisch, dass derselbe Zeitplan für GCC High, DoD oder andere souveräne Cloud-Umgebungen gilt. Diese Umgebungen sollten separat betrachtet werden.
Der Zusammenhang mit dem Ende der Microsoft-SMS- und Voice-Zustellung
Passkeys für Gäste sind nicht nur eine Komfortverbesserung. Die Funktion kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Microsoft gleichzeitig den Weg weg von SMS und Voice deutlich beschleunigt.
Ab dem 1. September 2026 werden Benutzer, die in der Authentication Methods Policy oder den entsprechenden Legacy-MFA-Einstellungen für SMS oder Voice aktiviert sind, automatisch für Passkeys aktiviert. Diese Benutzer werden einem Passkey Profile zugeordnet, das alle Passkey-Typen erlaubt. Außerdem wird die Registration Campaign für diese Benutzer auf Microsoft Managed gesetzt und auf Passkeys ausgerichtet. (Microsoft Learn)
Ab dem 1. Februar 2027 stellt Microsoft dann die von Microsoft bereitgestellte Telekom-Zustellung für SMS und Voice ein. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Aussage, SMS und Voice würden vollständig aus Entra ID verschwinden.
Organisationen, die diese Methoden aus betrieblichen oder regulatorischen Gründen weiterhin benötigen, sollen stattdessen einen kundenseitig verwalteten Telekommunikationsanbieter über den Microsoft Security Store konfigurieren können. (Microsoft Learn)
Für Benutzer, deren einzige verfügbare MFA-Methode weiterhin Microsoft-bereitgestellte SMS oder Voice ist und für die kein alternativer Telekom-Provider eingerichtet wurde, wird es ab dem 1. Februar 2027 ernst: Sie können SMS oder Voice nicht mehr wie bisher zur Erfüllung der MFA-Anforderung verwenden.
Microsoft beschreibt für diese Benutzer allerdings nicht einfach einen Lockout. Stattdessen sollen Benutzer, deren einzige MFA-Methode SMS oder Voice ist, während der Anmeldung einen blockierenden Prompt zur Registrierung eines Passkeys erhalten. Die Registrierung muss abgeschlossen werden, bevor die Anmeldung fortgesetzt werden kann. Für dieses Verhalten gibt es laut Microsoft keinen Opt-out. (Microsoft Learn)
B2B- und interne Gastbenutzer sind laut Microsoft ausdrücklich im Scope dieser Änderung. Gleichzeitig soll die Unterstützung von Passkeys für diese Benutzergruppe bis Ende 2026 bereitstehen. (Microsoft Learn)
Genau hier liegt das operative Risiko.
Ein Blick in die Methodenmatrix für externe Benutzer macht das deutlich. Microsoft listet dort getrennt auf, welche Methoden eine Authentication Strength erfüllen können, wenn die MFA im Home Tenant beziehungsweise im Ressourcentenant erfolgt. In der Spalte für den Ressourcentenant stehen im Wesentlichen Textnachricht als zweiter Faktor, Anruf, Microsoft Authenticator Push und OATH Software Token. FIDO2 Security Keys und Windows Hello for Business sind dort nicht aufgeführt. (Microsoft Learn)
Zwei der vier Methoden, die einem externen Benutzer im Ressourcentenant heute zur Verfügung stehen, sind also genau die, deren Microsoft-Zustellung am 1. Februar 2027 endet.
Für interne Gäste ist das Rollout-Fenster bereits relativ klar. Bei externen B2B-Benutzern ist der genaue Zeitplan dagegen noch offen. Zwischen der geplanten Passkey-Unterstützung und dem Ende der Microsoft-Telekom-Zustellung könnte deshalb nur ein relativ kleines Migrationsfenster liegen.
Das gehört auf das Risk Register und nicht in die Kategorie „regelt sich von selbst“.
Zwei Dinge lassen sich schon heute tun: die eigenen Gastbenutzer daraufhin inventarisieren, welche Methoden sie im Ressourcentenant verwenden, und für relevante Microsoft-Entra-Partnerorganisationen prüfen, ob MFA-Trust bereits konfiguriert ist oder künftig bewusst eingesetzt werden soll.
Wer bei dieser Inventur ohnehin durch den Gastbestand geht, sollte den Termin gleich doppelt nutzen. Die Werkzeuge, um verwaiste externe Identitäten automatisiert zu erkennen und abzubauen, habe ich im Beitrag zu den Entra-Neuerungen im August 2026 beschrieben, unter anderem die Erkennung sponsorloser Gäste über Lifecycle Workflows. Ein Gastkonto, für das niemand mehr verantwortlich ist, braucht auch keine neue Authentifizierungsmethode.
Was das für Conditional Access ändert
Der eigentliche Gewinn liegt im Zusammenspiel mit Authentication Strengths.
Bisher lässt sich phishing-resistente MFA für externe Microsoft-Entra-Benutzer insbesondere dann gut durchsetzen, wenn der Home Tenant eine geeignete Methode verwendet und der Ressourcentenant dessen MFA über Cross-Tenant Access Settings vertraut.
Ohne MFA-Trust muss der externe Benutzer die Authentication Strength im Ressourcentenant erfüllen. Genau hier war die Auswahl bisher eingeschränkt, wie die oben genannte Matrix zeigt.
Mit Resource Tenant Passkeys bekommt der Ressourcentenant künftig eine zusätzliche phishing-resistente Möglichkeit, die er seinen B2B-Benutzern selbst bereitstellen kann. Das reduziert die Abhängigkeit davon, welche Methoden der fremde Home Tenant eingerichtet hat.
Typische Kandidaten für solche Anforderungen sind administrative Zugriffe, sensible Azure-Ressourcen, interne Verwaltungsportale, Entwicklungsumgebungen, Finanz- und HR-Anwendungen sowie externe Dienstleister auf geschäftskritischen Systemen.
Eine Einschränkung sollte dabei klar benannt werden: Authentication Strengths können laut aktueller Microsoft-Dokumentation nur auf externe Benutzer angewendet werden, die sich mit Microsoft Entra ID authentifizieren.
Für Email One-Time Passcode, SAML/WS-Fed, Google Federation und persönliche Microsoft-Konten empfiehlt Microsoft stattdessen den normalen MFA Grant Control. Eine gemischte externe Benutzerlandschaft sollte deshalb nicht mit einer einzigen Authentication-Strength-Policy als vollständig abgedeckt betrachtet werden. (Microsoft Learn)
Und noch eine zweite Einschränkung, die man beim Planen mitdenken sollte: Das Häkchen „phishing-resistente MFA erfüllt“ ist ein Kontrollpunkt, keine Garantie. Warum sich dieses Kriterium unter bestimmten Bedingungen erfüllen lässt, obwohl die Identität kompromittiert wurde, habe ich in der Analyse zu Pass-the-Passkey ausgeführt. Für externe Zugriffe gilt das genauso wie für interne.
Vier Dinge, die vor dem Rollout auf den Tisch gehören
Microsoft schreibt zur neuen B2B-Passkey-Unterstützung „keine Aktion erforderlich“. Das bezieht sich auf die Bereitstellung der Funktion, nicht darauf, dass Administratoren ihre Konfiguration nicht überprüfen sollten.
1. Authentication Methods Policy und Passkey Profiles
Microsoft hat mit Passkey Profiles eine wesentlich granularere Konfiguration für FIDO2-Passkeys eingeführt. Damit können unterschiedliche Profile beispielsweise für synchronisierte und device-bound Passkeys, Attestation-Anforderungen oder bestimmte AAGUIDs definiert und verschiedenen Gruppen zugeordnet werden. (Microsoft Learn)
Wichtig ist der Zustand des eigenen Tenants. Passkey Profiles wurden zunächst als Opt-in eingeführt. Tenants, die dieses Opt-in nicht aktiv genutzt haben, wurden anschließend automatisch migriert, wobei die bestehenden globalen FIDO2-Einstellungen in ein Default Passkey Profile übernommen wurden. Der Zeitplan dieser automatischen Migration unterscheidet sich je nach Cloud-Umgebung. Wer opt-in gemacht hat, sollte außerdem wissen, dass sich diese Entscheidung nicht zurücknehmen lässt. (Microsoft Learn, MC1221452)
Verlassen Sie sich deshalb nicht auf die Annahme, der Tenant sei noch in der alten Konfiguration. Sehen Sie nach, welche Profile existieren und welche Gruppen ihnen zugeordnet sind.
Prüfen Sie anschließend sowohl den Scope der Authentication Methods Policy als auch die zugeordneten Passkey Profiles. Wenn dort „All users“ oder eine Gruppe verwendet wird, die auch B2B-Benutzer umfasst, kann das nach dem Rollout eine andere Wirkung haben als heute. Bisher scheitert die Registrierung für Gastbenutzer grundsätzlich an der fehlenden Unterstützung. Künftig können Benutzer im Scope tatsächlich zur Registrierung berechtigt sein.
Bei der Profilgestaltung lohnt außerdem ein Gedanke an die Art des Passkeys. Für privilegierte Konten und externe Dienstleister mit weitreichenden Rechten sprechen gute Gründe für gerätegebundene Authenticatoren mit erzwungener Attestation statt für synchronisierte Passkeys. Die Begründung dafür steht ebenfalls im Pass-the-Passkey-Beitrag.
2. Die Änderungen vom 1. September 2026
Für Benutzer, die zu diesem Zeitpunkt für SMS oder Voice aktiviert sind, nimmt Microsoft selbst Änderungen vor.
Sie werden für Passkeys in der Authentication Methods Policy aktiviert, einem Passkey Profile zugeordnet, das alle Passkey-Typen erlaubt, und über eine auf Microsoft Managed gesetzte Registration Campaign zur Passkey-Registrierung geführt. (Microsoft Learn)
Wer diese automatische Migration nicht möchte, kann sich für die Übergangsphase bis zum 1. Februar 2027 vorübergehend herausnehmen. Dafür wird in der Authentication Methods Policy über Microsoft Graph die Eigenschaft passkeyDynamicMigration innerhalb von optOutSettings auf true gesetzt. Microsoft dokumentiert das aktuell gegen den Beta-Endpunkt, die API-Unterstützung steht seit dem 1. August 2026 bereit. Für die Durchsetzung ab dem 1. Februar 2027 gibt es diesen Opt-out nicht. (Microsoft Learn)
Wer seine Passkey-Scopes im Oktober bewertet, sollte deshalb berücksichtigen, dass Microsoft sie im September möglicherweise bereits verändert hat.
3. Registration Campaigns
Sind B2B-Benutzer im Scope einer Registration Campaign, können sie nach Verfügbarkeit der Funktion während der Anmeldung zur Passkey-Registrierung aufgefordert werden.
Das kann ausdrücklich gewollt sein. Es sollte nur nicht der Helpdesk sein, der als Erstes davon erfährt.
Und es gibt einen zweiten Grund, hier sauber zu kommunizieren. Genau diese legitime Aufforderung zur Passkey-Registrierung dient Angreifern derzeit als Vorwand. Die Vishing-Kampagne gegen Microsoft-365-Benutzer baut ihren Anruf darauf auf, dass „aus Sicherheitsgründen ein neuer Passkey eingerichtet werden muss“. Eine unangekündigte Registrierungsaufforderung bei externen Partnern, die den internen Kommunikationskanälen ohnehin nicht folgen, ist für so eine Masche der ideale Nährboden. Kündigen Sie den Rollout an, benennen Sie die legitimen Registrierungswege, und sagen Sie dazu, dass niemand telefonisch durch diesen Prozess führt.
Dass der Registrierungsprozess und nicht die Kryptografie das eigentliche Angriffsziel ist, zeigt auch die Forschung zu Borrowing Windows Hello Keys. Wer B2B-Benutzern künftig erlaubt, Authentifizierungsmethoden im eigenen Tenant zu hinterlegen, sollte diese Registrierungen protokollieren und auswerten.
4. Conditional Access
Konkret sollte geprüft werden:
- Wo wird MFA für Gäste verlangt?
- Wo sind Authentication Strengths im Einsatz?
- Ist MFA-Trust für bestimmte Partner oder über die Default Settings konfiguriert?
- Welche externen Benutzer authentifizieren sich tatsächlich über Microsoft Entra ID und welche beispielsweise über Email OTP oder andere Identity Provider?
- Ist die Registrierung von Sicherheitsinformationen selbst über eine Conditional-Access-Richtlinie abgesichert, und gilt das auch für externe Benutzer?
Wenn Resource Tenant Passkeys verfügbar sind, kann man bei bestimmten Partnern bewusster entscheiden, ob man dem MFA-Claim des Home Tenants vertraut oder die MFA-Anforderung mit einer eigenen Methode im Ressourcentenant erfüllen lassen möchte.
Diese Entscheidung trifft man besser im Architektur- und Security-Review als im Support-Ticket.
Helpdesk und Datenschutz
Die Fragen, die kommen werden, sind absehbar:
- Warum soll ich hier noch einen Passkey registrieren?
- Warum reicht mein bestehender Passkey aus meinem eigenen Tenant nicht?
- Warum funktioniert Microsoft Authenticator bei mir nicht, beim Kollegen aber schon?
Vor allem die Unterscheidung zwischen internen Gästen und externen Benutzern ist für Endanwender kaum sichtbar.
Microsoft beschreibt interne Gäste als Benutzer, die im eigenen Tenant über interne Anmeldeinformationen verfügen, deren UserType aber auf Guest gesetzt ist. Solche Konten stammen häufig noch aus Szenarien, die vor der breiten Einführung von B2B Collaboration üblich waren. Externe Benutzer authentifizieren sich dagegen außerhalb des Ressourcentenants, beispielsweise in ihrem eigenen Microsoft-Entra-Tenant. (Microsoft Learn)
Dass Passkeys in Microsoft Authenticator zunächst für interne Gastbenutzer, nicht aber für externe Benutzer vorgesehen sind, ist deshalb ein Detail, das der Helpdesk kennen sollte.
Ebenso wichtig: Der Helpdesk braucht ein Verfahren, mit dem sich externe Anrufer verifizieren lassen, und Endanwender brauchen einen bekannten Rückkanal. Bei internen Mitarbeitenden ist das meist etabliert, bei Partnern und Dienstleistern in der Regel nicht.
Auf der Governance-Seite entstehen durch die Passkey-Registrierung zusätzliche Authentifizierungsdaten im Ressourcentenant. In Umgebungen mit strengen Compliance- oder Datenschutzvorgaben sollte deshalb geprüft werden, ob bestehende Dokumentationen und Prozesse zur Verwaltung von Authentifizierungsdaten auch diese Benutzergruppe abdecken.
Einordnung
Technisch wirkt die Änderung zunächst überschaubar: Eine Benutzergruppe, die bisher keine Passkeys im Ressourcentenant registrieren konnte, bekommt diese Möglichkeit.
Praktisch ist sie deutlich wichtiger.
Resource Tenant Passkeys schließen eine Lücke zwischen dem Anspruch, phishing-resistente MFA auch für externe Zugriffe durchzusetzen, und den Methoden, die einem B2B-Benutzer bisher direkt im Ressourcentenant zur Verfügung standen.
Der zusätzliche Zeitdruck entsteht durch den 1. Februar 2027. An diesem Tag verschwindet zwar nicht SMS und Voice grundsätzlich aus Entra ID, aber die von Microsoft bereitgestellte Telekom-Zustellung endet. Für externe Benutzer trifft das eine Methodenauswahl, die im Ressourcentenant ohnehin schmal ist.
Wer Gäste oder andere Benutzer mit Microsoft-bereitgestellter telefonbasierter MFA im Bestand hat, sollte deshalb jetzt inventarisieren, welche Benutzer betroffen sind und welche Zielmethode für sie vorgesehen ist.
Für viele sollte die Antwort Passkey lauten. Je nach Szenario können aber auch MFA-Trust, andere starke Authentifizierungsmethoden oder ein kundenseitig verwalteter Telekommunikationsanbieter Teil der Übergangsstrategie sein.
Darauf zu warten, dass der B2B-Passkey-Rollout das Problem automatisch löst, wäre dagegen keine gute Planung.
Und noch ein Gedanke zum Schluss: Externe Identitäten sind seit Jahren einer der bevorzugten Einstiegspunkte in Cloud-Umgebungen, wie die Analyse zu Storm-2949 zeigt. Dass Gäste künftig eine eigene phishing-resistente Methode im Ressourcentenant bekommen können, ist deshalb mehr als eine Komfortfunktion. Es ist eine der wenigen Änderungen, die den Abstand zwischen internem und externem Sicherheitsniveau tatsächlich verkleinert.
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