MMP-C: Die neue Ära des Windows-Client-Managements mit Microsoft Intune

Microsoft stellt mit der Microsoft Management Platform – Cloud (MMP-C) einen völlig neuen Ansatz für das Windows-Client-Management vor. In Kombination mit Microsoft Intune entsteht eine Plattform, die klassische OMA-DM-Mechanismen ablöst und Verwaltung in Echtzeit ermöglicht.

MMP-C basiert auf dem Windows Declared Configuration (WinDC)-Protokoll, das Geräte in einem deklarativen, zustandsbasierten Modell verwaltet. Statt Richtlinien zyklisch zu synchronisieren, definiert Intune einmal den gewünschten Zustand („desired state“) eines Geräts – und das System stellt diesen Zustand dauerhaft sicher.


Wie MMP-C funktioniert

Wenn MMP-C auf einem Gerät aktiviert wird, erstellt Windows eine zweite, verknüpfte Intune-Registrierung – die sogenannte Linked oder Dual Enrollment.

  • Die primäre Registrierung verwaltet weiterhin klassische OMA-DM-Richtlinien.
  • Die verknüpfte Registrierung nutzt den WinDC-Dienst, um deklarative Richtlinien kontinuierlich durchzusetzen.

Das Herzstück sind Declared Configuration Documents (MOF-Dateien), die von Intune bereitgestellt werden. Diese beschreiben den vollständigen Soll-Zustand des Geräts. Der WinDC-Agent sorgt dafür, dass jede Einstellung im Dokument aktiv bleibt – Abweichungen werden automatisch korrigiert, ohne auf den nächsten Intune-Sync zu warten.

So entsteht ein kontinuierliches, selbstüberwachendes Verwaltungssystem, das Policy-Drift verhindert und die Einhaltung von Sicherheits- und Compliance-Vorgaben erheblich verbessert.


Unterschied zu OMA-DM

Das klassische OMA-DM-Protokoll wurde ursprünglich für Mobilgeräte entwickelt und arbeitet reaktiv:
Geräte melden sich in Intervallen bei Intune, erhalten Richtlinien im XML-Format (SyncML), wenden sie an und senden anschließend Rückmeldungen. Zwischen zwei Check-ins kann es jedoch zu Abweichungen kommen – Änderungen bleiben bis zur nächsten Synchronisierung unbemerkt.

Mit MMP-C / WinDC ändert sich das komplett:

  • Der Zielzustand wird einmalig deklariert, nicht ständig abgefragt.
  • Der Client übernimmt die Verantwortung für seine Konfiguration.
  • Alle Einstellungen werden in einem einzigen Dokument gebündelt, was die Netzwerklast reduziert.
  • Der Durchsetzungsmechanismus läuft kontinuierlich und lokal.

Das Ergebnis:

  • Schnellere Policy-Anwendung,
  • weniger Serverkommunikation,
  • höhere Zuverlässigkeit,
  • und stärkere Compliance selbst bei Offline-Geräten.

OMA-DM und MMP-C laufen aktuell parallel. Legacy-Richtlinien werden weiterhin über CSPs verwaltet, während neue, deklarative Workloads schrittweise über MMP-C bereitgestellt werden.


Intune-Funktionen, die heute bereits MMP-C nutzen

1. Endpoint Privilege Management (EPM)

EPM, Teil der Intune Suite, war das erste Feature, das vollständig auf MMP-C setzte.
Es erlaubt Standardbenutzern, genehmigte Aufgaben mit erhöhten Rechten auszuführen – ohne lokale Administratorrechte zu besitzen.
MMP-C sorgt hier für die zuverlässige, sofortige Bereitstellung und Durchsetzung der Richtlinien auf dem Gerät.

2. Erweiterte Geräteinventarisierung (Advanced Device Inventory)

Die neue Geräteinventarfunktion in Intune sammelt detaillierte Hardware- und Sicherheitsinformationen (z. B. TPM-Status, CPU-Details, Laufwerke).
Das zugehörige Properties-Catalog-Profil nutzt MMP-C, um den Inventory-Agent zu verteilen und die Datenerfassung zu steuern.

3. Weitere Workloads in Planung

Microsoft migriert schrittweise weitere Richtlinienarten:

  • WLAN- und VPN-Profile
  • Zertifikatsbereitstellung
  • Sicherheitsbaselines
  • Defender- und Endpoint-Protection-Konfigurationen

Der Anteil deklarativer Richtlinien in Intune wächst mit jedem Update.


Vorteile von MMP-C

VorteilBeschreibung
Kontinuierliche ComplianceAbweichungen werden sofort erkannt und automatisch korrigiert.
Schnelle UmsetzungÄnderungen wirken nahezu in Echtzeit – kein Warten auf den nächsten Sync.
Geringere NetzwerklastEin kompaktes Konfigurationsdokument ersetzt viele einzelne Transaktionen.
Bessere SkalierbarkeitIdeal für große Flotten – weniger Serverbelastung, geringere Latenzen.
Höhere ResilienzDer Client bleibt compliant, auch wenn keine Verbindung zu Intune besteht.
Modernes SicherheitsmodellBesser geeignet für Zero-Trust- und Cloud-First-Szenarien.

Voraussetzungen und Implementierungshinweise

  • Windows 10/11 mit aktuellem Build unterstützt MMP-C nativ.
  • Intune Enrollment muss aktiv sein; MMP-C wird automatisch als Linked Enrollment hinzugefügt.
  • Netzwerkfreigaben: dm.microsoft.com darf nicht durch SSL-Inspection oder Proxy-Filter blockiert werden.
  • Pilotgruppen eignen sich für den Start – z. B. Geräte mit aktivem EPM oder Advanced Inventory.
  • Überprüfen lässt sich die MMP-C-Registrierung in der Registry unter den Enrollment-Schlüsseln oder per PowerShell (dsregcmd /status).

Praxisbeispiel: Von reaktiv zu deklarativ

Ein Unternehmen verwaltet 2.000 Windows-11-Clients mit Intune.
Früher dauerte es mehrere Stunden, bis geänderte Sicherheitsrichtlinien (z. B. BitLocker-Einstellungen) flächendeckend durchgesetzt waren.
Nach der Aktivierung von MMP-C korrigieren sich Geräte innerhalb weniger Minuten selbstständig – ganz ohne Admin-Eingriff.
Die Anzahl der Compliance-Abweichungen sank um über 60 %, und Helpdesk-Tickets zu Richtlinienfehlern gingen deutlich zurück.


Fazit

MMP-C ist die logische Weiterentwicklung des Windows-Client-Managements.
Anstelle reaktiver Richtliniensynchronisationen setzt Microsoft nun auf ein intelligentes, selbstüberwachendes System, das den gewünschten Gerätezustand proaktiv sicherstellt.

Für IT-Abteilungen bedeutet das:

  • Weniger Drift, weniger Aufwand, mehr Kontrolle.
  • Schnellere Umsetzung von Sicherheitsvorgaben.
  • Grundlage für zukünftige Intune-Funktionen.

Der Umstieg erfolgt evolutionär – OMA-DM bleibt vorerst bestehen, doch MMP-C ist der Weg nach vorn.
Wer heute mit EPM oder Advanced Device Inventory startet, legt den Grundstein für ein modernes, resilienteres Endpoint-Management.

MMP-C verändert das Denken über Gerätemanagement grundlegend – weg vom zyklischen Kontrollmodell, hin zu einer Cloud-basierten, deklarativen Verwaltung mit echtem „Always-Compliant“-Charakter.

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